Es steht ein Haus ... in München //Ein Haus in der aufgehenden Sonne ...
“In München finden sich aber noch mehr interessante Adressen, und eine davon war der Auslöser für eines der wenigen Bücher, die sich mit einem anderen Teil dieser Nazikollaborateure befasst: “Die vierte Moschee” des amerikanischen Journalisten Ian Johnson. Diese Moschee steht an der Freisinger Landstraße in München, und sie wurde für den moslemischen Teil der Nazikollaborateure errichtet – Tataren, Usbeken, Tadschiken, Tschetschenen …
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Das reiche Angebot an moslemischen Hilfstruppen wurde von Gerhard von Mende betreut, der, wie sein Vorgesetzter Alfred Rosenberg, Deutsch-Balte war. Man war sich innerhalb der Nazielite nicht immer ganz einig, welche Völker zur Sklavenarbeit verdammt und ermordet, und welche als Verbündete hofiert werden sollten, und beide Zustände konnten auch fließend ineinander übergehen. Offiziell hieß das Amt Rosenbergs “Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete”, und die Kontrollinstanz für die Bandera-Ukrainer befand sich nur eine Zimmertür weiter.
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Er sorgte dafür, dass sowjetische Kriegsgefangene moslemischen Glaubens herausgefiltert wurden und das Angebot bekamen, man werde sie gut versorgen, wenn sie bereit wären, gegen die atheistische Sowjetunion zu kämpfen. Auch die SS unterhielt einen “Osttürkischen Waffenverband”, der, so Johnson, “unter dem Kommando der SS Partisanen in der Ukraine, Griechenland und Italien” bekämpfte, und “wegen seines Einsatzes bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstands” berüchtigt war.
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Jedenfalls gab es diese Hilfstruppen aus den moslemischen Minderheiten, und wie die Bandera-Ukrainer folgten sie der Wehrmacht auf ihrem Rückzug und fanden sich nach dem Zweiten Weltkrieg in den gleichen Flüchtlingslagern, den Lagern für die “Displaced Persons”, wieder.
Im Wikipedia-Artikel über von Mende lässt sich herauslesen, wie sehr Mende nach 1945 bemüht war, seine Kontakte zu “verwerten”; als es anfänglich mit den US-Amerikanern nicht klappte, zog er extra in die britische Zone. Aber Mende ließ sich seine Hilfstruppen nie vollständig abknöpfen. Überhaupt bildete sich ein interessanter Sumpf um diese “Ostflüchtlinge”, zwischen OSS/CIA, MI6, Abwehr II, SD- und SS-Leuten und, sowie sie gegründet waren, dem Bundesamt für Verfassungsschutz und dem BND. Übrigens, die Abwehr II war jene Abteilung des Nachrichtendienstes der Wehrmacht, die für die Organisation von Terroranschlägen zuständig war. Wie man sieht, auch hier eine alte Tradition.
Die Nähe zwischen etwa den Bandera-Ukrainern und den Resten der muslimischen Hilfstruppen ergab sich aber nicht nur über vielfache Überschneidungen bei ihren Auftraggebern, sondern sie teilten oft auch über Jahre hinweg die gleichen Wohnsitze. Rund um München gibt es ganze Siedlungen, die aus derartigen DP-Lagern entstanden sind und sie begegneten sich auch bei einem in diesen Kreisen sehr beliebten Arbeitgeber, dem CIA-betriebenen Radio Free Europe/Radio Liberty. Die bayerische Staatsregierung beglückte nicht nur die Ukrainer mit der Möglichkeit, eine der nationalistischen Ideologie verpflichtete Universität in München zu gründen, sie baute auch eine Moschee für die Angehörigen der muslimischen Hilfstruppen, die im späteren Verlauf eine wichtige Rolle bei der internationalen Ausdehnung der Muslimbrüder spielen sollte – der Grund, warum sich Ian Johnson überhaupt mit ihrer Vorgeschichte beschäftigte.
Der ukrainische Teil dieses Konglomerats kehrte mit der Unabhängigkeit sofort in die Ukraine zurück und bemühte sich, möglichst viel Einfluss zu gewinnen. Die Kontakte zu all diesen anderen Strukturen wurden gewissermaßen mitgebracht; ukrainische und georgische Nationalisten kannten sich aus München, aber die erste Verbindung kam über Berlin. Genauso verhält es sich auch mit kaukasischen Islamisten.“ ... [D.H. DL B/M]
Den Rest der Geschichte kann man jetzt - live - natürlich ohne den Historischen Background - im TV verfolgen ...